Haarausfall

Botox gegen Kopfhautschmerz und Haarausfall

Viele Patienten, sowohl Männer als auch Frauen, die an einer Missempfindung der Kopfhaut leiden werden oft nicht ernstgenommen. Die Symptome reichen von Kribbeln, Brennen oder Spannen bis zu starken Schmerzen der Kopfhaut oder auch Haarausfall. Da keine klinisch nachweisbaren Veränderungen an der Kopfhaut gefunden werden, wird das Leiden, auch Trichodynie (trichos, griech. Haar; dynê, griech. Schmerz) genannt, oft als psychische Störung abgetan.

Viele Patienten berichten über vermehrte Anspannung bzw. Stress, was zu einer starken Verspannung der über den Kopf laufenden Muskulatur führt. Durch die erhöhte Anspannung der Muskulatur wird die Kopfhaut stärker an das Schädeldach gepresst, wodurch die versorgenden Blutgefäße zusammengepresst werden und eine Unterversorgung der Kopfhaut und der Haarfollikel mit Nährstoffen und Sauerstoff entsteht. Gleichzeitig kommt es, ähnlich eines Muskelkaters, zu einer Anreicherung von Laktat in der Muskulatur. Diese Übersäuerung des Muskels kann sehr schmerzhaft sein. Zudem werden durch die Verspannung  die Rezeptoren des Nervensystems erregt was zu einer Verstärkung des Schmerzempfindens sowie Gefühlsstörungen wie z.B. Ameinsenlaufen führt. Gleichzeitig kommt es durch die Nervendauererregung wieder zu einer erhöhten Muskelspannung wodurch sich die Symptome abermals verstärken.

Zusätzlich zu den o.g. Symptomen kann es bei einer erblichen Empfindlichkeit zu einer Ansammlung des Hormons DHT an den Haarwurzeln kommen Die Haarwurzlen verhornen und das Haar fällt aus. Dieser Spannungshaarausfall/Alopecia Contentionalis endet typischerweise in Geheimratsecken und Tonsur.

Durch eine EMG-Messung (Elektromyographie) der Kopfmuskulatur (M. frontalis, M. occipitalis, M. temporoparietalis) kann die Spannungserhöhung der Muskulatur nachgewiesen werden. Liegen die Normwerte bei ca. 0,7-1,2mVolt, können sie bei Trichodyniepatienten auf Werte über 30mVolt bis zu 180mVolt steigen.

Entspannungsübungen, wie z.B. autogenes Training können helfen die Verspannung der Schädelmuskulatur zu lösen. Die effektivste Lösung ist jedoch die anhaltende Hemmung der Reizübertragung zwischen Nervenenden und Muskulatur durch ein muskelrelaxierendes Mittel wie Botulinumtoxin. Die Entspannung der Kopfhautmuskulatur beginnt nach 2-3 Tagen und hält zwischen 4-7 Monate an. Die Symptome der Trichodynie sowie der Haarausfall können dadurch meist deutlich verbessert bzw. sogar behoben werden. Die Behandlung sollte  im Abstand von ca. einem halben Jahr wiederholt werden. Nach 3 Zyklen kommt es meist zu einer dauerhaften Linderung der Beschwerden, da die Muskulatur quasi die Anspannung verlernt.

Klar abzugrenzen ist die Trichodynie vom klassischen „Kopfschmerz“, dessen verschiedene Manifestationen sehr unterschiedliche Ursachen haben können und der vom Betroffenen völlig anders wahrgenommen wird.